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In letzter Zeit neigen unsere PCs dazu immer kleiner zu werden. Lange schon ist es nicht mehr wirklich nötig, sich einen riesigen Tower unter den Schreibtisch zu stellen. Für jeden Anwendungsfall kann man inzwischen aus einem ziemlich ausgeprägten Sortiment wählen und die Tage in denen „klein“ gleichbedeutend mit „teuer“ war, sind auch schon längst gezählt. Und mal ehrlich, wer hat wirklich noch 5 HDDs im Gehäuse, oder nutzt mehr als den PCIe x16 Slot für die Grafikkarte? Klar, Zocker brauchen Platz für die Grafikkarte, manch einer wird intern ein DVD-Laufwerk wollen, wieder ein anderer möchte es gerne noch kleiner. Akzeptiert man für letzteres ein externes Steckernetzteil, ist auch das kein Problem! Der Markt hält hier inzwischen schier endlos viele Lösungen bereit, so dass hier nahezu jeder etwas finden wird.

In der Arbeit habe ich nun schon mehrere Anwendungsfälle durch. 2 „Kleinst“-PCs mit externem Netzteil, im Vorführraum, am Beamer und ein Werkstatt-PC auf einem kleinen Wagen. Im Vorführraum war wichtig, Internet und Office muss flüssig gehen, das System soll schnellstmöglich startklar sein und es sollen Dokumente aus dem Netzwerk vorgeführt werden. Beim Werkstatt-PC war die Anforderung, er muss mobil sein, muss ebenso schnell startbereit sein, darf nur 32-bit haben um mit gewissen nerdigen Programmen klar zu kommen und ein DVD-Laufwerk, weil oft was installiert werden muss.

Lena’s Papa

Diesmal lag die Anforderung etwas anders. Lena’s Papa arbeitete jahrelang auf einem PC, den ich aus ausrangierten Teilen als „Übergangslösung“ zusammengefrickelt hatte. Schon die ganze Zeit lief der nur „so lala“. Ich denke, niemand würde freiwillig auf diesem System über längere Zeit arbeiten wollen. Es war wirklich nur improvisiert und aus Teilen zusammengestellt, die nur mit viel Überredungskunst miteinander arbeiten wollten. Ihn störte es nicht weiter, und so fand das Leben dieses PCs erst vor kurzem sein Ende. Auf gut deutsch, die Überredungskünste reichten leider nicht mehr aus.

Jetzt war die Challenge, einen kleinen und einfachen PC zu schaffen, der möglichst wartungsarm und langlebig ist, dabei kein Vermögen kostet und das Optimum an Leistung liefert. Über Jahre hinweg. In diesem Beitrag wollen wir euch erzählen, was für ein Gerät dabei entstanden ist, wo wir uns die Finger fast gebrochen hätten und was uns sonst noch so aufgefallen ist.

Der Warenkorb

Im Lieblings-Onlineshop wurden schleunigst 3 Warenkörbe zusammengeklickt und dem „Kunden“ vorgestellt, wie man das angeblich so macht. Wir trafen uns etwa in der Mitte von meinem teuersten und meinem mittleren Vorschlag und landeten nach Einkaufsoptimierung bei einem Gesamtpreis von 711,87.

Mix-Computer

Warenkorb inklusive Versand am 14. Februar 2015: 437,03 €

Amazon

Warenkorb inklusive Versand am 14. Februar 2015: 108,89 €

eBay sb-direct

Warenkorb inklusive Versand am 14. Februar 2015: 165,95 €

  • Intel Core i5-4570 Haswell 22nm, 3,2Ghz (Turbo 3,6Ghz), 4-Kerne, 6MB Cache, 64-bit,  TDP 84W, Intel HD Graphics 4600, boxed

Bereits vorhanden

  • Windows 7 Home-Premium 64-bit

Preislich lohnt es sich dann schon, die Augen nochmal offen zu halten. Durch das Splitting und ausweichen auf alternative Bezugsquellen wurde das System rund 100,- günstiger, wie zuvor im Lieblings-Shop berechnet.

Die Hardwareauswahl

Ich muss zugeben, ich bin doch ziemlich markengeprägt bei meiner typischen PC-Zusammenstellung. Bevor ich mir jedes mal den Wolf suche und beim sich sehr schnell wandelnden Markt versuche die Sahnestücke aus dem billig Segment zu filtern, setze ich schon lange lieber auf bewährtes, wo ich für die Investition auch einen gewissen Gegenwert bekomme. Preis und Leistung eben. Natürlich ist das alles nur Glaubenssache und wenn einer statt Gigabyte lieber Asus oder MSI oder vielleicht ASrock einsetzt, ist das ja okay und sicherlich nicht besser oder schlechter…

Als HDD setzen wir auf eine günstige, bewährte, 24/7 zertifizierte Festplatte, was uns eine lange Lebenszeit verspricht. 8GB Ram sollten auch in Zukunft noch locker ausreichen. Der CPU-Kühler wurde gewählt, da er ordentlich was wegkühlen kann und den Platz im Gehäuse optimal ausnutzt, wenn man auf einen der beiden Lüfter verzichtet. Das Mainboard bringt Dual-LAN, onboard Wifi und Bluetooth und alle nötigen Anschlüsse. Leider hat es nur 2 Ram-Slots und unterstützt maximal bis zu 16GB Ram, was gewisse Grenzen setzt aber für uns in diesem Fall völlig ausreicht. Je nach Geldbeutel ist der Weg nach oben klar noch da… Die CPU stellte einfach den aktuell besten Kompromiss aus Preis, Leistung und Stand der Technik dar.

Will man es auf die Spitze treiben, um beispielsweise eine kompakte Workstation zum Bilder bearbeiten zu haben, könnte man die Zusammenstellung etwas ändern. Will man 32GB-Ram, muss man einfach den Formfaktor vergrößern. Das kostet unterm Strich nur den zusätzlichen Ram, CPU und SSD je nach Geldbeutel. Gehäuse und Mainboard bekommt man etwas günstiger, muss aber dann auf integriertes Wifi leider verzichten. Immerhin kann dann auch auf ein konventionelles Netzteil zurückgreifen, was auch für größte CPUs genug Spielraum lassen würde und ein Betrieb von einer SSD neben einer internen 3,5″ HDD ist ebenso möglich. Auch gute Mittelklasse-Grafikkarten oder andere Steckkarten bringt man hier schon auf nur wenig mehr Raum unter. Wenn man jetzt an einen Lightroom-Würfel denkt, auf Basis unseres Office-Würfels, würde man mit Intel i7-4790K32GB-Ram und SSD dazu, rein für die Hardware zur Zeit bei etwa 1100.- liegen. High-End auf kleinstem Raum! Wer mehr will, die X99-Boards mit den nativen Sechs- und Acht-Kernern sind schon am Markt, sollten sich aber preislich noch etwas der Realität anpassen. Nichts desto trotz, auch der Mini-Cube kann schon in beachtliche Sphären aufsteigen. Setzt man auf 2,5″-Laufwerke kann man SSD+HDD einbauen, Bastler bekommen auch leicht und schnell einen Käfig für 4×2,5″ HDDs gebastelt. Der Kühler ist laut Hersteller, trotz Single-Fan Betrieb, für eine TDP von 140W + OC freigegeben und 16GB Ram sind auch schon nicht ohne! – Irre was auf 20x20x17cm möglich ist!

CPU-Lüfter montieren

 

Power-Failsafe

Der bisherige PC hing bisher an einer schaltbaren Steckerleiste, wo natürlich immer brav nach jeder Verwendung ausgeschaltet wurde und wenn der Rechner mal wieder gebraucht wurde, wurde die Steckerleiste wieder eingeschaltet. Der ökologische Gedanke dahinter, den Stand-By Strom zu sparen, ist voll und ganz nachvollziehbar und lobenswert. Allerdings hat die Sache gleich mehrere Haken.

  1. Die Speicherung der Einstellungen im BIOS wird in der Regel über eine Stützbatterie auf dem Mainboard gewährleistet. Die meisten werden nie etwas von dieser Batterie bemerken. Wenn der PC allerdings häufig und lange ausgeschaltet wird, benötigt das BIOS den Strom aus dieser Batterie. Früher oder später wird da nichts mehr drin sein und man bleibt im BIOS bei einer Fehlermeldung hängen, die nicht für unbedingt jeden Nutzer eindeutig zu verstehen ist.
  2. Die Netzteile sind heutzutage auf eine extreme Effizienz entwickelt, die Stand-By Verbrauchswerte bewegen sich im Bereich von deutlich unter einem Watt. Ich weiß nicht warum, aber mir ist nun schon mehrfach ein negativer Effekt bei dieser modernen Generation aufgefallen. Beim Einschalten erzeugen diese Netzteile erstmal eine kurze relativ hohe Spitze und bringen bei mir in der Arbeit immer mal wieder den FI zum fallen. Dort wird über einen Schalter der Strom von den PC-Steckdosen geschalten. In einem Büro ist nach so einem Vorfall dann sogar ein Netzteil eines PCs komplett ausgefallen. Der lief dann erst komplett instabil, bis 2 Tage später das Netzteil keinen Mucks mehr von sich gab.
  3. In der Regel benutzen wir ja auch noch Steckerleisten, die keinerlei Überspannungsschutz haben.

Das gefiel uns schon lange nicht mehr an der Lösung, dazu stellten wir noch ein paar andere Überlegungen an. Im Alter geht das Bücken zum Schalter der Steckerleiste eventuell nicht mehr so easy von der Hand. Dazu kommt, dass bei uns im Haus immer wieder unerklärliche Effekte im Zusammenhang mit unserem Stromnetz auftreten. Unvermittelt geht Hardware kaputt, Leuchtmittel halten ungewöhnlich kurz und Staubsaugen kann schon mal das Haus Offline legen… Wegen unserer hohen Ausfallqoute bei Elektronikartikel, fragte ich mal einen befreundeten Elektriker. Wir haben eine Photovoltaik auf dem Dach, was laut seiner Darstellung auch mal Spannungsspitzen ins Haus jagen kann und riet uns zur Anschaffung einer unterbrechungsfreien Stromversorgung(USV) bei kritischen Geräten.

Nun war es an der Zeit, mal die erste USV ins Haus zu holen. Und die erschlägt nun auch wirklich alle Probleme auf einmal. Klar, ein riesen Kasten, schwer ist er auch! Von unten an die Schreibtischplatte montiert, fällt aber auch der nicht mehr auf. Die Vorteile sind die geringe Mehrinvestition, gegenüber einer ordentlich geschützten Steckerleiste, den geringen Aufpreis allemal wert. Die USV „reinigt“ in erster Linie den Strom, der aus dem Hausnetz kommt. Das Gerät hat einen Akku, auf welchen sofort und nahtlos umgeschaltet wird, wenn unsauberer oder vielleicht gar kein Strom mehr aus der Steckdose kommt. Im schlimmsten Fall, einem Stromausfall, kann man so noch in aller Ruhe seine Arbeit speichern und den PC kontrolliert herunterfahren. Ist man gerade nicht in der Nähe, wird der PC automatisch heruntergefahren, sobald der Akku nur noch wenig Strom hat.

Als Zusatzfeature kommt diese USV mit einer interessanten Master-Slave-Funktion zum Strom sparen daher. Sobald der Master nur noch sehr wenig Strom benötigt, weil er beispielsweise aus geschaltet, oder in Stand-By versetzt wurde, werden die Slave-Steckdosen vom Strom getrennt. Nun wird die komplette Peripherie die man mit anschließt mit dem PC zusammen ein- und ausgeschaltet.

Die Investition spart dann sogar Strom, schützt die Hardware vor verfrühtem Defekt und nicht zuletzt die eigene Daten vor Verlust, wenn es mal zu einem Stromausfall kommen sollte während man gerade an einem Dokument arbeitet.

Und nun die Krux…

Ich wusste ja schon aus den bisherigen Systemen ungefähr was mich erwarten würde. Dass es eng wird, war klar, aber SO eng, damit war nicht zu rechnen. Die Montage brachte uns dann doch an den Rande des Nervenzusammenbruchs und verlängerte den Zeitaufwand auf 2 Abende. Wir benötigten 4 oder 5 Anläufe, bis endlich alles an seinem vorgesehenen Platz saß und schließlich auch funktionierte. Zuerst bemerkten wir, dass eine Seitenwand zwingend vor dem Mainboard montiert werden muss. Dann hatten wir das behoben, fummelten irgendwie die Stecker von Power-Knopf und Co auf die Steckbrücke um dann fest zu stellen, dass der ATX Stecker des Mainboards unmöglich angesteckt werden kann, sobald das Mainboard montiert ist. Also mussten wir das Front-Panel und das Netzteil vor(!) der Montage anstecken und das ganze Paket irgendwie in seine Position des quasi maßgeschneiderten Gehäuses pfrimeln. Mit vereinten Kräften, vier Händen, einer Kopflampe, einem magnetischen Schraubenzieher (leider einen Hauch zu kurz) und etwa 45 Minuten Operationszeit war dann alles fest. Auf zum ersten Test. Angesteckt, Knopf gedrückt – kein Lebenszeichen!

Im Eifer des Gefechtes, trotz mehrmaliger Kontrolle, wie rum die Stecker denn nun auf die Pfostenleiste gesteckt werden, ist es irgendwie passiert. Das Paket aus den 4 kleinen Steckerchen war einmal komplett um 180° verdreht eingesteckt worden. Schöne scheiße! Am nächsten Tag, in neuer Frische, mit neuer Geduld und einer Spitzzange, habe ich den Fehler in einer halbstündigen feinmotorischen Zen-Meister-Prüfung behoben. Nach viel Schweiß, zerkratzten Fingern, ernsten Selbstzweifeln – er läuft! Endlich!

Fazit

Es muss schon längst nicht mehr der graue Midi-Tower sein, den man sich möglichst unsichtbar unter den Schreibtisch stellt. Wie man am obigen Beispiel sieht, kostet so ein kleines System eigentlich nicht mehr wie ein identisch ausgestatteter Tower-PC. Der ein oder andere wird bei dem Baubeispiel ein CD-Laufwerk vermissen, oder will eine dedizierte Grafikkarte einbauen. Kein Problem! Es findet sich für die meisten Anwender eine passende Lösung in klein und vielleicht auch in etwas hübscher als bisher. Auf jeden Fall kann man wertvollen Platz am Schreibtisch sparen. Mehr Raum für Kreativität!

Sehr angenehm ist uns aufgefallen, dass viele Mini-ITX Mainboards mit einer umfangreichen Ausstattung daher kommen. Dual-LAN, Onboard Wifi und Bluetooth, Dual HDMI. Bei den größeren Brüdern findet man einige dieser Features nur sehr schwer. Gerade das Wifi hat sich positiv bemerkbar gemacht. Pfeilschnell und deutlich besserer Empfang als die bisher genutzte PCI Steckkarte mit Magnetfußantenne.

Allerdings würden wir keinem Neuling empfehlen so in den PC-Bau einzusteigen. Die Problemstellungen die sich ergeben haben, waren dann doch immer mal wieder recht spannend.

Über den Autor

Seit 2008 begeistert mich die Fotografie. Erst auf Partys, mit einer alten kaputten 350D, nun schon aus der Luft mit einem Multicopter. Immer interessiert an neuen Aufnahmetechniken und deren Umsetzung, erfülle ich hier wohl oft die Quote der Nerds. Macht nix, diese Position wird mir schon lange nachgesagt - umso begeisterter sind die Leute, wenn ich dann tolle Bilder mache... :)

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